» zurück zur Fundgrube bitte hier «

Bitte ein wenig mehr Flexibilität

Manchmal muss ich mir bei all den Sachen die in und um einer Küche passieren an den Kopf fassen. Gelegentlich verschlägt es mir auch die Sprache bei all den Vorkommnissen. Damit Sie sich ein Bild machen können, folgt gleich eine Geschichte die dieses ein wenig mehr verdeutlicht.

Beispiel 1:
Ausgangspunkt war, der Gemüsehobel war defekt und wurde zur Reparatur gegeben. Dort befand der Kundendienst, dieses Gerät ist über 15 Jahre alt und es gäbe nun keine Ersatzteile mehr. ( Noch die alte Wertarbeit - Sie verstehen ) Den Platz von diesem ehrwürdigen Küchenhobel nahm nun eine neue Maschine ein, die Chromglänzend, leicht zu reinigen und den neuesten Sicherheitsvorkehrungen entsprach. Doch was musste ich mir nach einigen Tagen von einer Küchenhilfe, die wie wir schon in einem anderen Spezialthema als willig - arbeitsam beschrieben wurden, anhören:

"Kannst Du bitte anordnen, dass diese neue Küchenmaschine umgetauscht wird, die Karotten muss ich immer klein schneiden bevor ich die durchlassen kann und das nervt mich."
"Was ? Dann schneid sie, wenn Du sie geschält hast in die richtige Größe und das Problem ist gelöst."
"Ja, aber das kostet zuviel Zeit und beim Rettich ist es noch schlimmer."
"?????"
"Kann man ruhig machen, innerhalb von 1 Woche kann man umtauschen, Chefin hat bestimmt noch Zettel."
"Lieber ..........., ich kann Dir schon jetzt sagen, wann das gemacht wird, spätestens in hoffentlich 10 Jahren, wenn diese schöne neue, den Sicherheitsvorkehrungen in allen Bereichen gerecht werdende Küchenmaschine den Geist aufgibt, dann kommt eine neue. Eher nicht!
Jedoch...., wenn es Dich so nerven sollte, nachher ist die Chefin da und dann kannst Du ihr Deine Probleme mit dieser Küchenmaschine mitteilen und ihr auch noch gleichzeitig auffordern, eine neue zu bringen. Das finde ich eine gute Idee, was meinst Du?"
Es herrschte Ruhe und ich sah über 4 Stunden eine leicht gereizte Küchenhilfe, die sich mit ihren Nöten und Problemen in keinster Weise beachtet fühlte. Ein schöner Tag. Ich fasse es nicht.

Beispiel 2
Wenn jeden Morgen die Salate vorbereitet werden, werden diese in Eimer umgefüllt und bis zum weiteren Gebrauch im Kühlhaus gelagert. Diese Vorgehensweise ist bei einem erhöhtem Service = viel Arbeit, sehr umständlich. Mein Vorschlag, die fertigen Salate gleich in die Behältnisse der Salattheke umzufüllen, mit Deckel zu versehen und im Kühlhaus zu lagern, bis diese gebraucht werden, fand zuerst Anklang. Jedoch merkten die Küchenhilfen ziemlich schnell, dass das ja auch wieder mit mehr Arbeit verbunden war und kehrten zum alten System zurück. Doch was musste ich Tage später ansehen. Die, welche den Salat anrichtete, füllte vor dem Service sich die Salate in die Behältnisse. Wahrscheinlich hatte sie gemerkt, dass es kein hohles Gerede war und es Arbeitsentlastend ist. Schade das auch hier wieder ein Arbeitsschritt zuviel gemacht wird. Vielleicht werden die es irgendwann auch noch merken.

Bei all dem vermisse ich etwas mehr Flexibilität, Offenheit und Aufgeschlossenheit. Flexibel neues anzunehmen, Offenheit um das neue nicht gleich abzuwerten und Aufgeschlossenheit sich dem zu stellen. Seltsamerweise finde ich diese Eigenschaften bei all den Bevölkerungsgruppen, die in unserer Küche vertreten sind, also nicht nur Deutsche. Das bringt die Tatsache mit sich, dass es nicht nur ein Deutsches Problem zu sein scheint, sondern ein seit Jahren verankertes Arbeitssystem, welches schon so tief gesickert ist, dass es wahrscheinlich nur allzu menschlich ist.

Was lernen wir daraus?

Mit etwas mehr Flexibilität, Offenheit und Aufgeschlossenheit können wahre Erleichterungen im Arbeitsalltag Einzug erhalten. Anzuwenden können wir dieses nicht nur im Bereich Arbeit, sondern sicherlich auch noch in anderen Bereichen unseres Lebens. ( welches so schön ist, das wir da leider nicht lebend rauskommen )