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Kocht ein Koch zuhause ? oder wie es zugeht wenn ein Koch privat kocht
Viele Köche behaupten von sich, zuhause nicht zu kochen. Andere wiederum kochen zuhause, und das sogar mit Lust und Laune.
Ich möchte Ihnen mal erzählen, wie es bei mir manchmal abgeht wenn ich alles andere erledigt habe, Zeit habe und es in meinen Kopf anfängt zu spuken. Wahrscheinlich habe ich in diesem Stadium schon Anzeichen von leichten Appetitgefühlen. Meine Magenwände scheinen sich muskelartig zusammenzuziehen, meine Zunge lechzt und es tropft vom Gaumen, kurzum ich habe Appetit. Gelegentlich fangen diese Gedanken um ein schönes Gericht schon 1 - 2 Tage vorher an.
Der schönste Tag ist dafür der Freitag. Erstens weil ich jeden 2.ten Freitag frei habe und .... weil der Markt ein paar Straßenzüge weiter, Top frischen Fisch hat. Ich glaube, der 2.te Grund ist Ausschlaggebender. Bereits auf dem Weg dorthin ist gedanklich das Essen fast fertig, ich weiß was für ein Dessert ich mache, ein Essen ohne Dessert finde ich etwas fade, und den Rest vom Menü entscheide ich vor Ort.
Wer einmal in Frankreich in einem CORA-Supermarkt eingekauft hat, der wird ins Schwärmen kommen, wenn er vor dieser ultrageilen Fischabteilung steht. Nur frische Ware und alles erdenkliche. Ja die Franzosen verstehen zu schmausen. Etwas kleiner aber fast genauso schön ist sie in den Markt bei mir. Ich stehe vor der Fischabteilung und meine Augen schweifen durch die Berge von Eis und begutachten jeden Fisch. Eigentlich war mir eher nach Schwertfisch, den gibt es diesmal nicht, dafür Zanderfilet und Austernfisch. Na prima, dazu noch ein paar Garnelen und ab in die Gemüseabteilung, wo Schalotten, ein Pfirsich, grüne Bohnen, ein paar frische Kräuter, ein Bund Suppengrün - für die Fischfumet - ihren Weg in meinen Korb finden. Jetzt brauche ich nur noch die Creme double, es gibt Vanillemousse, Eier und Butter. Den Rest habe ich zuhause. Unterwegs noch 2 Croissant für den Kaffee zuhause und dann geht's los. Es gibt Zander und Austernfisch in Pfirsichsauce - sollten sie mal probieren - dazu feine Böhnchen und Lauchnudeln. Obendrauf als Augenfang die paar Garnelen und zum Abschluss, Vanillemousse.
Bei Kaffee mit Croissant und Zigarette überlege ich wie ich Anfange. Also zuerst die Fischfumet ansetzen, von den Rest Suppengrün und ein paar Kräutern ziehe ich mir nebenbei eine Gemüsebouillon und friere sie ein. Danach das Vanillemousse und danach eine Zigarette. Es ist wichtig das es zu einem Essen eine vernünftige Sauce gibt, also schäle ich die Garnelen, filetiere den Fisch ein wenig und setze mit einem Teil vom Suppengrün einen Fumet an, den ich kurz vor Schluss würze, dann passiere und noch etwas einreduzieren lasse. So komme ich zu einem guten Fischfond. Und immer fehlen mir in meiner Küche die Tücher. Es ist grausam, am Schluss habe ich zig Blätter Küchenkrepp und mindestens 2 Geschirrtücher verbraucht, und meine Küche gleicht einem Schlachtfeld. Leider leider habe ich zuhause keine willigen Küchenhilfen die alles saubermachen, da muss ich alleine durch oder wenn Besuch da ist auch nicht.
Danach ist erstmal Zeit für einen Espresso und weiter geht's mit dem Vanillemousse. Creme double schlagen, Gelatine einweichen, Vanilleschote auskratzen, das volle Programm, die ganze Dröhnung. Eine Stunde später sind die Nudeln gekocht, der Besuch - die Mitesser - eingetroffen und wir unterhalten uns bei einem Glas Wein, ich wieder beim Espresso wie es weitergeht. Der Fisch ist gewürzt und mariniert, die Bohnen gekocht und der Lauch in Juilienne geschnitten.
Eine weitere Stunde später sitzen wir am Tisch, erfreuen uns des guten Fisches, der fruchtigen Sauce und genießen die Beilagen. Das schöne an solchen Tagen ist, das ich zwar alleine koche, jedoch nicht alleine aufräume. Von meinem Esstisch kann ich, ich muss mich dazu nur umdrehen, in meine Küche gucken, wo sich ein schönes Bild bietet. Die Sauerei hält sich in Grenzen.
Ein besonderes Highlight ist diesmal das Vanillemousse. Dieses traumhafte französische Rezept schmeichelt uns den Gaumen. Ich überlege schon was ich demnächst ausprobieren möchte. Solche Events gibt es bei mir nicht jede Woche, jedoch einmal im Monat.
Und das macht Spaß, sogar wenn ich unter der Woche nichts anderes getan habe als kochen.
Bis zum nächsten Mal, ihr kremerchen.