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In der Küche
Haben Sie sich manchmal gefragt, wie es ein Jungkoch schafft, in der Hierarchie einer Küchenbrigade nach oben zu steigen? Oder wie es in einer Küche zugeht ? Zählt da die Leistung, ist es einfach nur Glück, das gewisse Händchen für etwas oder ist es eine gewisse Ausstrahlung, gepaart mit Können und das Gespür für Teamarbeit, bzw. Führung ? Sicherlich von beidem etwas.
Die Zeiten der Köche, die mit Sprüchen und niveaulosen Gebärden auf sich aufmerksam machen, sind vorbei. Vorbei ist die Zeit der Tiere in der Küche, die sich mit mannigfachen Gockelverhalten versuchen durchzuboxen. Ich behaupte mal, dass sich solche Leute nicht weiter entwickeln.
Früher einmal, ja früher, da war es Gang und gebe, das sich brüllende Affen von Postenchefs auf die Commis de Cuisine ( Jungköche ) stürzten und diese in Grund und Boden nieder machten. Schlimmer waren diese Chefs de Cuisine ( Küchenchefs ) die den schon schweren Küchenalltag nur mit einem gewissen Pegel von Alkohol durchhielten.
Sicher konnten Sie was, sonst wären sie ja keine Chefs, jedoch sinkt die Achtung vor einem, der mit einer Fahne vor einem steht und versucht etwas zu erklären.
Wie arbeitet sich ein Jungkoch dort nach oben? Durch Leistung! Mit einem starken Willen, das man es diesen Arschlöchern irgendwann einmal heimzahlt. Und glauben Sie mir, man wird Fehler machen und die anderen werden sich an diesen Fehlern ergötzen vor Freude, es sich noch Tagelang untereinander erzählen. Das geht dann solange bis man entweder aufgibt oder nach vergossene Tränen der Demütigung, des Schmerzes den Kampf aufnimmt und..... durchhält.
Schwer ist es sich in solch einer Mannschaft zurechtzufinden. Wenn dann noch der "Guten Morgen" Gruß ausgetauscht ist / wird gegen, "Hallo Du altes Sackgesicht" ist es nicht gerade leicht. Gott sei Dank ist dies nur noch sehr sehr selten zu finden und es gehört in die unterste Schublade von Menschenführung. Bei den Chefs ist dieses Verhalten nicht zu finden, so bleibt es nur primitiven Jungköchen vorenthalten. Jedoch auch die werden es eines Tages ablegen, spätestens dann, wenn sie aufsteigen. Ich hatte bis auf 1 Stelle wirkliches Glück, das ich von solchem verschont geblieben bin.
Eigentlich hatte ich bei all den Stellen Glück. Denn in der Schiffergesellschaft zu Lübeck begann ein Wandel. Von den Köchen, die ich oben beschrieben habe, verabschiedete man sich, auf gut Deutsch, sie wurden gefeuert. Sie passten einfach nicht mehr in das neue Bild hinein.
In diese Küche kam ich nur durch Zufall hinein. Nachdem die Stelle ausgeschrieben war, lagen beim Küchenchef einige Bewerbungen. Dieser erzählte mir später, das sie sich bei der Entscheidung Zeit gelassen hatten. Zuviel Zeit, denn die anderen Bewerber sprangen ab und übrig blieb als einzelner nur ich. Und ich bekam die Stelle. Mit einem Freudensprung hielt ich später dann den Vertrag in der Hand und stieg ein halbes Jahr später vom stellvertretenden Postenchef zum Postenchef auf.
Im Ratskeller war es etwas anders. Dort hatte der neue Betreiber nach so viele Köche eingestellt, dass in den ersten 14 Tagen über die Hälfte wieder gehen musste. Dies ging solange, bis der Küchenchef daraus die Stammbrigade gebildet hatte. Eigentlich sollte ich auch zu denen gehören, die entlassen werden. Nur hatten sich 2 weitere Köche, einer vom Saucier und einer vom Entremetier entschlossen von selbst zu kündigen. So blieb ich in der Küche noch 1 Jahr und wechselte dann. Manchmal zahlt sich Beharrlichkeit aus.
Ich möchte abschließend noch hinzufügen, dass es sich in den meisten Küchen normal verhält. Da macht es dann auch richtig Spaß.
Bis zum nächsten Mal, ihr kremerchen.