» zurück zur Fundgrube bitte hier «

In der Küche VI - Die Weihnachtsgeschichte aus der Küche mit gaaanz wenig Hektik

Jedes Jahr kommt diese unvermeidliche Hektik in der Adventszeit in die Küche.

Plötzlich so 1 bis 2 Wochen vor dem ersten Advent kreisen die ersten Gedanken um die Menüs an den Festtagen. Was soll es dieses Jahr geben???????? Vielleicht doch eher was einfaches traditionelles. Wie etwa: Geschmorter Hirschbraten in eigener Sauce mit Apfelrotkraut und Butterspätzle. Einfach, sicher und Schmackhaft. Oder doch etwas Ausgefallenes aus der oberen Etage der Kochkunst ??? So etwa wie: Hüstel: Terrine von Ente und Gans ( sehr aufwendige Arbeit ) an Blattsalat von jungem Rosenkohl ( hört sich gut an ist aber eher eine Arbeit für Sträflinge ), auf einer Sauce von eingelegten Feigen, begleitet von mariniertem Rapunzel, kredenzt auf Hutschenreuter Edelporzelan im Jugendstil ???

Ja, .... nicht immer ist dies auch der Renner, der Brüller. Glauben Sie mir, wenn man nicht gerade in einem Restaurant kocht und arbeitet, welches sich auf die obere Etage des Geldbeutels ausgerichtet hat, wird dieses ausgefallene Gericht, so schön es sich auch anhört, nicht oder nur wenig gegessen. Ist ja auch eine Geldfrage und darauf sollten wir schon Rücksicht nehmen. Fragezeichen um Fragezeichen drängeln sich um die Gunst der Stellung in unseren Gehirnen. Es ist grausam.

Und dann kommt es, in einer kleinen Minute. Das ist dieser Moment wo die Welt so einfach ist, wo alles so klar ist, das sogar die Pfefferkörner in dem 20 Litertopf mit Brühe auf dem Grunde zu sehen sind. Die Essen, die Menüs sind in unseren Gedanken schon fast fertig, sie müssen nur noch zu Papier gebracht werden und dann, so kurz vor dem ersten Advent steht auf einmal die Weihnachtskarte. Genial ich liebe dies Lichtblicke. Puh den ersten Schritt haben wir dann schon hinter uns. Wir wissen was es gibt, doch vor uns liegen noch hunderttausend Kilometer Arbeit. Rechtzeitige Bestellung losschicken, bombastische Lieferungen annehmen und ja alles in den eh zu kleinen Lagerräumen ( egal wie groß sie sind, zu den Festtagen schwindet der Lagerplatz in den Kühlhäusern mit rasanter Geschwindigkeit !!! ) verstauen. Ist dies getan, werden die Saucen angesetzt, Wildsaucen köcheln in Töpfen vor sich hin, Töpfe so groß, das die Hausfrau / Hausmann zu Hause 3 Stunden warten müsste, bis das Wasser endlich kocht. Berge von Fleisch warten darauf pariert und portioniert zu werden.

Dabei kreisen die Gedanken, was alles von den Fleischabschnitten gemacht werden könnte. Ein schöner saftiger Hackbraten oder ....???? Während die Küchenhilfen, Gottlob das es diese Kräfte gibt, das Gemüse putzen, wartet der Fisch darauf, dass er an die Reihe kommt. Fischfond wird aus den Abschnitten angesetzt und später, viel später lichtet sich das Feld und die Vorarbeit ist getan. Komisch, alle Reden vom "es wird weniger - die Leute sparen "

Liebe Leute außerhalb meiner Küche und meines Schreibtisches lasst euch sagen, nicht in dieser Zeit des Jahres, wir haben zu tun und das nicht zu wenig. Sicherlich sparen die Menschen, aber in dieser Zeit weniger.

Die Feiertage kommen unaufhaltsam erschreckend näher und wir fragen uns: haben wir alles ? Ist alles da, ist genügend eingekauft worden. Es darf einfach nichts fehlen. Und dann, kurz bevor unsere Kühlhäuser aus den Nähten platzen, stehen wir mitten im Weihnachtsgeschäft und haben doppelte Belegung und es läuft wie am Schnürchen. Besonders schön ist es dann zu hören wie es den Gästen schmeckt. Das bringt Genugtuung und die Gewissheit, sich das Richtige ausgedacht zu haben.

Wussten Sie das die Köche an Weihnachten doppelten Stress haben ? In vielen Küchen sind nämlich die freien Tage gestrichen, sollte also jemand an diesen Tagen frei haben, laut Dienstplan, hat er .... entschuldigen Sie bitte das Wort die Arschkarte gezogen. Naja, vielleicht nicht ganz er kriegt ja später frei. Aber es ist schöner mit den Kindern, der Familie oder Freundin und wie auch immer, zu feiern, ohne daran denken zu müssen, in 3 Stunden wieder auf Arbeit zu müssen. Wenn sich nun die Weihnachtsfeiertage dem Ende neigen, sind wir richtig froh, denn es ist geschafft.

Vor uns liegt die nächste Hürde, das Sylvester- und Neujahrsgeschäft. Und so geht es immer weiter, das ganze Jahr ( .... wie....nein, das war kein Jammern, ehrlich. )

Bis zum nächsten Mal, ihr kremerchen.